Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

HEUTE EINE FINANZIELLE LAST FÜR DIE STADT, DAFÜR ABER AUCH EIN WERTVOLLES KULTURELLES ERBE: DAS NEUE RATHAUS, DER EINSTIGE WOHNSITZ DER CHARLOTTE DOOS.MEHMEL/MONTAGE: NOBIS

Wie die größte Wohltäterin der Stadt ein Vermögen vermachte, von dem bedürftige Wilsteraner noch heute profitieren.

Volker Mehmel WILSTER 
An Weihnachten wird Charlotte Doos wohl nicht gedacht haben, als sie im Sommer 1829 im Alter von 70 Jahren starb. Dennoch hat die gebürtige Glückstädterin der Stadt und ihren Einwohnern das wohl größte Geschenk in der langen Geschichte von Wilster vermacht. Per Testament verfügte sie nicht nur, dass ihr herrschaftliches Bürgerhaus ins Eigentum der Stadt überging. Sie sorgte auch dafür, dass mit einem großen Teil ihres Vermögens bedürftige Witwen ein Dach über den Kopf bekamen. Von dieser Wohltat profitieren Wohnungsmieter noch heute.

Zwischen Nord-Ostsee-Kanal, Stör und Elbe kommen Freunde historischer Bauten auf ihre Kosten. Zwischen diesen drei Gewässern liegt die Marschenstadt Wilster, die gleich zwei historische Rathäuser mit einer langen Geschichte beheimatet. Das 4.500 Einwohner zählende Wilster erhielt bereits 1282 die Stadtrechte und gehört damit zu den ältesten Städten Schleswig-Holsteins.

Klein-Karstadt - Wilsters ältestes Kaufhaus

Als Schleswig-Holsteins damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis im Januar 2005 erstmals das Geschäft „Christian Haack", das wegen seiner Warenvielfalt auch „Klein-Karstadt" genannt wird, betrat, fragte sie erstaunt: ,,Was gibt es hier eigentlich nicht?"

Anfang 2000 hatte man dort am Markt in Wilster das hundertjährige Bestehen feiern können, und zwar in Räumlichkeiten, die seit der Gründung des Geschäftes durch Christian Haack nahezu unverändert geblieben sind.

Grundlegende Veränderungen im Leben von Christian Haack hatte es ein gutes Jahrhundert zuvor gegeben, denn im Jahr 1899 heiratete er seine Frau Elly, und es wurden ihm im Juni die Planungen für den Umbau eines 120 Jahre alten Fachwerkhauses am Marktplatz genehmigt. Nur sechs Monate später Anfang 1900 eröffnete er dort seinen Kolonial- und Eisenwarenhandel.Die gemeinsame Tochter Frida, die l 931 den Berliner Drogisten Erich Neuendorf geheiratet hatte, trat 1946 dem väterlichen Unternehmen als Gesellschafterin bei und übernahm nach dem Tode ihres Vaters 1957 die alleinige Verantwortung.

Im Jahre 1977 trat dann deren Tochter Freia Richeling, eine gelernte Steuerfachgehilfin, in das Geschäft ein. Unterstützung wurde ihr durch ihren Ehemann Horst zuteil, doch nach dessen frühen Tod 1994 führte sie das Geschäft allein weiter, bis sie um den Beginn des Jahres 2000, dem Jubiläumsjahr, in ihrem Sohn Andreas den geeigneten Nachfolger fand.

Der 1963 geborene Andreas Richeling führt heute das weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Fachgeschäft im Sinne seines Urgroßvaters verbunden mit neuen Ideen weiter. Nach der mittleren Reife hatte er den Kaufmannsberuf im Eisenwarenfachhandel bei Delfs und Petersen in Itzehoe erlernt. Dort blieb er weitere sieben Jahre als Angestellter tätig. l 990 erhielt er ein beruflich attraktives Angebot aus Elmshorn und wechselte innerhalb der gleichen Branche dorthin über. In der Firma Kremer war er zuständig für den Fachhandel von Eisenwaren, Baubeschlägen, Werkzeugen, Betriebs- und Lagereinrichtungen, Metallzäunen, Leitern sowie von Arbeitsschutz- und Arbeitsbekleidung. Er hat dort sowohl am Verkaufstresen gearbeitet als auch in einem eigenen Büro den Ein- und Verkauf getätigt.

Da er ohnehin seit 1995 mit seiner Frau Silke und den drei Töchtern in einem Neubau in Wilster lebte, fiel ihm der Entschluss, das Geschäft von der Mutter zu übernehmen, nicht schwer. Er wagte auch deshalb den Schritt in die Selbständigkeit, weil er überzeugt davon war, dass das alteingesessene Geschäft von „Krischan Haack" eine gute wirtschaftliche Perspektive besaß. Außerdem kannte er alle Besonderheiten des Geschäftes, weil er in ihm sozusagen aufgewachsen war. Ihm war bewusst: Das besondere Flair, die Artikelvielfalt, die fachliche Beratung und der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Verkäufer werden immer wieder auf Nachfrage stoßen.

Im Geschäft gibt es mittlerweile mehr als 40 000 Artikel. Dazu gehören neben Eisen- und Elektrowaren auch Süßigkeiten und Zigaretten, aber genauso graue Erbsen und Hafergrütze. Im umfangreichen Sortiment enthalten sind des Weiteren Haus- und Küchengeräte, Glas, Porzellan, Keramik, Geschenkartikel, landwirtschaftliche Geräte, Zooartikel, Angelgeräte, Waffen, Werkzeuge, Sämereien und nicht zuletzt der St. Margarethener Damenlikör.

Funktionsfähig ist nach wie vor die legendäre Dosenmaschine Marke „Krischan Haack", auf der heute noch Wurfziele für Jahrmarktsbuden geschnitten werden. In den oft deckenhohen Regalen und in den alten Schubfächern gibt es so manche Rarität, die die vielen Jahrzehnte überdauert hat. Man findet hier Kurioses und Ausgefallenes ebenso wie Nützliches, insbesondere aber all das, was man woanders nicht bekommen kann. Wenn es einmal etwas gerade nicht geben sollte, dann wird es bestellt und beschafft. Zu guter Letzt sei gesagt: Auch Feilschen ist hier noch möglich.

Der jetzige Geschäftsinhaber fühlt sich mit seiner Frau, seiner Mutter und den Verkäuferinnen sehr wohl in seinem Laden und hat vor, die Tradition seiner Vorfahren noch lange zu erhalten.

 

Klein Karstadt 1927
Christian Haack (Klein Karstadt) im Jahre 1927


 

Das Geschäft wurde von Christian Haack gegründet. Es wird heute von Andreas Richeling geführt und von den Wilsteranern "Krischan Haack" oder liebevoll "Klein Karstadt" genannt. Über 40.00 verschiedene Artikel sind vorrätig. Aus dem riesigen Sortiment werden Kundenwünsche in kürzester Zeit erfüllt und aus einer der vielen Schubladen oder dem Keller gezaubert. Und was nicht vorrätig ist, wird bestellt. Dieses Geschäft hat ein besonderes Flair. Hier ist die Kundenberatung noch etwas Selbstverständlliches. Ein Besuch lohnt immer. Auch unsere Historischen Rathäuser können auf Klein Karstadt nicht verzichten. Während der Restaurierung des Gartensalons schaute der Restaurator auch bei Klein Karstadt vorbei. Die kostbaren vergoldeten Spiegelrahmen sollten nach der Restaurierung schonend entstaubt werden. Die Lösung: Straußenfedern! Finden Sie diese Beratung im Internet?   

Hier geht es zur Website dieses einzigartigen Einzelhandelsgeschäfts www.christian-haack.de.

Oder schauen Sie sich die folgenden Bilder an, die nur einen Bruchteil des Sortiments zeigen. Öffnen Sie ein Bild und starten die "Slideshow" durch einen Klick auf den Button "Start slideshow". 

Einen ausführlichen Bericht finden Sie unter dem folgenden Link aus dem Buch "Spiegelbilder einer alten Stadt" (Robert Friedrichs und Helmut Jacobs) Klein Karstadt - Bilder aus einer alten Stadt