Willkommen auf der Website des Förderverein Historische Rathäuser in Wilster e.V.

 

Hudemannsches Haus in Wilster

Eines der letzten noch erhaltenen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert ist das Hudemannsche Haus (1596), das sich in der Schmiedestraße (früher Diekdorfer) befindet. Das Hudemannsche Haus mit seinem noblen Backsteingiebel in Quadermauerwerk auf Fachwerkunterbau ist ein Beispiel dafür, wie die reicheren Bürger damals gelebt haben. Die meisten anderen Gebäude - Fachwerkhäuser - waren sehr viel einfacherer, ganz abgesehen von den vielen kleinen "Buden" für die arme Bevölkerung, die es auch noch gegeben hat.

Quelle: Broschüre 725 Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

 

Waffenhalle in der Deichstrasse
Waffenhalle in der Deichstrasse

Das Grundstück war seit ca. 1400 bebaut, wahrscheinlich mit einem Speicher, günstig gelegen an der sich am Wasserlauf der Wilster-Au entlang windenden und in die umgebenden Marsch hinausführenden Deichstraße.

Das heutige Gebäude gehört in die Reihe der wenigen erhaltenen Bauten aus Wilsters Glanzzeit im 16. Jahrhundert. Das Gebäude war ab 1871 Zollhaus, danach Gastwirtschaft mit Fremdenzimmern, Handel mit Bier, Konzertsaal. Die Ausschmückung der Räume um 1900 mit einer völkerkundlichen Waffensammlung führte zu dem Namen "Waffenhalle". 1988 wurde es mit Mitteln des Denkmalschutzes restauriert.

Quelle: Broschüre 725 Jahre Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

 

Windmühle Aurora

Link zum Mühlenverein Rumflether Mühle

Die erste Windmühle an dem Standort in Rumfleth haben im Jahre 1534 vier Bauern aus der Wilstermarsch mit Genehmigung des dänischen Königs errichtet. Im 17. Jahrhundert herrschte der sogenannte Mühlenzwang - der Bauer durfte sein Getreide nur auf königlichen Mühlen mahlen lassen, daher auch der Name Königsmühle. Die Mühle in Rumfleth wurde von dem Mühlenbaumeister Trahn aus Neustadt erbaut - das besagte eine Inschrift in der Mühle. Sie hatte Segel und Steert. Im Laufe der Mühlenjahre fiel die "Aurora" achtmal den Flammen zum Opfer. Der letzte Brand geschah in einer Gewitternacht am 2. September 1871.

Hier musste die gerade gegründete Freiwillige Feuerwehr Wilster ihren ersten Dienst leisten.
Die heutige Rumflether Mühle wurde 1872, ein Jahr nach dem Brand, an gleicher Stelle neu gebaut. Es wurde ein einstöckiger Galerieholländer mit Windrose und Jalousie-Flügel.

Detlef Heinrich Martens (1909 bis 1963) schrieb die wechselhafte Geschichte im Jahre 1960 für seine Kinder auf, er selbst hatte dies alles vom 87-jährigen Mühlenbaumeister Johann Meyer aus Wilster gehört, der 1937 verstorben ist. Im Laufe vieler Jahre wurden rund 25 Müller als Pächter oder Eigentümer der Mühle genannt.

Im Jahre 1866 wurde sie von dem Müller Johann Schuldt gepachtet und in reiner Lohnmüllerei wurde außer Getreide auch Borke für die in Wilster ansässigen Gerber (damals 7 - 8 an der Zahl oder noch einige mehr) gemahlen. Die Gerbereien brannten in jener Zeit recht oft, aber die Borkenmüllerei war ebenfalls nicht ungefährlich und erforderte große Aufmerksamkeit. Johann Schuldt erwarb nach dem Brand den Bauplatz und auch die Rechte zum Bau einer Windmühle. Baumeister der neuen Mühle, der Rumflether Mühle, war der damals 70jährige Mühlenbauer Peter Sießenbüttel, der damit seine 74. Mühle baute.

Der Achtkantunterbau wurde auf dem Platz von Zimmermeister Junge in der damaligen Bäckerstraße (heute Rathausstraße) zusammengepasst. Die Inneneinrichtung besorgte der Mühlenbauer Block, der Lehrmeister des Mühlenbauers Johann Meyer aus Wilster. Die Mühle bekam einen „Franzosen" (Mahlstein aus Naturstein), einen "Rhinschen" (rheinischer Naturstein aus der Gegend von Andernacht zum Mahlen von Roggen) und einen "Lohgang" zum Mahlen von Borke. Außerdem wurde gen Norden noch ein Schuppen für die Borke gebaut. Peter Sießenbüttel hat für seine Kostenanschläge und für die Bauten seiner Mühlen niemals Zeichnungen gebraucht. Er hatte alles, was damit zusammenhing im Kopf, sowohl die Maße und sämtliches Holzarten. Im Gegensatz zur alten Königsmühle wurde die neue Mühle mit einer Windrose versehen. 1885 verkaufte Johannes Schuldt die Mühle an seinen Schwiegersohn Hans Detlev Martens aus Windbergen. Seitdem ist die Mühle "Aurora" im Besitz der Familie Martens, und das inzwischen in der vierten Generation.

Während der Mühlenbetrieb mit Hilfe von Maschinen aufrechterhalten werden konnte, wurde der Windmühlenbetrieb im Jahre 1953 eingestellt. Nach aufwendigen Renovierungsarbeiten kann heute wieder Mehl in der Rumflether Mühle gemahlen werden. Zu besonderen Gelegenheiten, u. a. am Deutschen Mühlentag, der regelmäßig am Pfingstmontag stattfindet, haben die Besucher und Ausflügler die Möglichkeit, dieses zu sehen. Die Rumflether Mühle kann nach Absprache besichtigt werden.

Quelle: Broschüre 725 Jahre Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

 

Das "Colosseum" stellt heute einen historischen, sehr original erhaltenen Tanzsaal dar, der an einer Stelle in Wilster liegt, die seit 1775 als Lustgarten und Parkanlage Tradition hat. Das Gebäude ist in seinem äußeren Erscheinungsbild, wie auch weitgehend im Inneren, heute noch von der Ausstrahlung der Zeit der Jahrhundertwende geprägt.

Quelle: Broschüre 725 Jahre Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

 

Kirche St. Bartholomäus in Wilster
Kirche St. Bartholomäus in Wilster - Erbaut durch Ernst-Georg Sonnin

Bereits im Jahre 1163 wird erstmals auf das Vorhandensein einer Kirche hingewiesen. Es dürfte sich dabei um einen Feldsteinbau gehandelt haben. Von diesem Bau sind keine nähere Details bekannt. Viele Felsen aus der ersten Kirche wurden wahrscheinlich in dem Neubau der mittelalterlichen Kirche im 15. Jahrhundert mit verbaut. Erhaltene Abbildungen zeigen das Bild eines dreischiffigen, aus Backstein errichteten gewölbten Hallenbaus mit einem angesetzten langen Chor und einem achteckigen Turm, der mit einer Ecke sehr ungeplant in die dicke Westmauer des Langhauses hineinstößt. Diese Hallenkirche war im 18. Jahrhundert baufällig geworden. Nach langen Diskussionen über einen Neubau oder evtl. Umbauten entschied man sich, den in Quitzow bei Perleberg 1713 als Pastorensohn geborenen
Ernst Georg Sonnin mit dem Neubau zu beauftragen. Ernst Georg Sonnin hatte zuerst Theologie, Philosophie und Mathematik studiert, bevor er sich dann in Hamburg der Baukunst zuwandte und sich bei dem mächtigen Bau der großen Michaeliskirche in Hamburg einen Namen machte. Obwohl er sich, als er dann zwischen 1775 und 1780 die Wilstersche Kirche baute, nicht sehr modern gab, sondern eher in barocker Tradition blieb, hat er ein Werk von hoher Qualität geschaffen.

Ernst Georg Sonnin wusste dabei um die besonderen Probleme des protestantischen Kirchenbaus. Er hatte entsprechende Literatur sorgfältig studiert und ging auf das Besondere in Wilster ein. Den alten Turm riss er nicht ab, sondern erhielt ihn so, wie es auch schon in anderen Orten geschehen war.

Das neue eindrucksvolle mächtige Kirchenschiff wurde an einer der Breitseiten des Turms angelegt. Den Turmhelm ließ er um 4 m anheben und in eine neue Position bringen; dies war für die damalige Zeit ein Meisterstück.

Der Turm hat eine Höhe von 52 m. Die weitere besondere Leistung war jedoch der gut durchdachte Bau des Kirchenschiffs. Sein Anliegen war, einen Raum schaffen, in dem das Wort des Predigers von überall verstanden und dieser von jedem Platz gesehen werden konnte.

Deshalb war die Tiefe der mittelalterlichen Kirche unerwünscht und deren Pfeiler hätten nur im Wege gestanden. Die eingebauten Emporen sind dabei ein wesentliches Element des protestantischen Kirchenbaus. Bemerkenswert ist dabei, dass diese frei in den Raum gehängt wurden und nicht an den Pfeiler gebunden. Um diesen im Innern dadurch vielstufigen Raum aber als homogen geschlossen erscheinen zu lassen, legte Sonnin ihn wie einen großen Pavillon an. Im Außenbau steigt über seinem Sockel aus rustiziertem Mauerwerk mit niedrigen, stark versprossten Fenstern das Hauptgeschoss. Pilaster geben diesem die Gliederung, die großen Fenster sind mit eisernen Rahmen ganz dem Licht geöffnet. Den Kanzelaltar gab er nicht nur den Platz in der Achse, sondern hob ihn dadurch noch heraus, dass er ihn inmitten gerader und dann konkav schwingender Emporenlinien mächtig konvex in den freier gewordenen Raum hinein schob, als solle der Prediger in seine Gemeinde hinein gehoben werden. Die Orgel wurde zur Westseite genommen und so zur Gemeindeseite hinübergestellt.

Das ist offenbar sehr sorgfältig bedacht und dem Gesamtablauf des lutherisch-protestantischen Gottesdienstes gemäßer als der große Aufwand in der Michaeliskirche. Statt des Orgelplatzes über dem Altar, wie es vorher üblich war, erscheint über dem Kanzelaltar ein großes Kruzifix. Die Kirche war für 2.000 Gottesdienstbesucher erbaut worden.

Die Wilsteraner Kirche ist schlichter gebaut als die zwanzig Jahre zuvor konzipierte Hamburger Michaeliskirche, die Sonnin zusammen mit Joh. Leonh. Prey gebaut hatte.

Leider hat man bei der Restaurierung der Kirche, bei der es schwerste Bombenschäden von 1944 zu beheben galt, die Partie um den Altar nicht so ausgebaut, wie sie vorher mit den von Fenstern verschlossenen hohen Logen war. Auf Zeichnungen von Sonnin und einem Aquarell, welches die Trauerfeier für die Etatsrätin Luise Doos 1829 zeigt, ist dieses zu erkennen. Diese dichten Logen gaben ein Gegengewicht zu dem sich mächtig vorbauenden, in den Zierformen einfachen Kanzelaltar und waren wohl sehr bewusst so eingesetzt. Heute können 1.200 Besucher am Gottesdienst teilnehmen

Im zweiten Weltkrieg wurde auch die alte Marcussen Orgel zerstört. Im Jahre 1954 wurde mit dem Bau einer neuen Orgel durch die Orgelbaufirma Ernst Brandt in Quickborn begonnen. Die neue Orgel besitzt 3 Manuale, Pedal und 30 Register, wurde 1955 eingeweiht und 1990 auf den Namen "Bach-Orgel" geweiht. In den folgenden Jahren wurde die Orgel erweitert und renoviert; so bekam sie 1992 einen Zimbelstern (drehbarer Stern mit Glöckchen) und besitzt seit 1998 32 Register und einen 128-fachen Setzer, außerdem wurde der Prospekt vervollständigt. Seit 2001 beleben eine Rossignoi (Nachtigall) und ein Kuckucksruf mit sichtbaren Vögeln den Klang der "Bach-Orgel". Für die Interpretation spätromantischer Musik wurde zusätzlich eine Walze eingebaut.

Der wunderschöne Klang der Orgel und die gute Akustik in der Sonninkirche bieten einen sehr stilvollen Rahmen für die regelmäßig in der Kirche stattfindenden Konzerte und locken viele Besucher an.

Quelle: Broschüre 725 Jahre Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

 

St. Bartholomäus-Kirche (Link in Wikipedia)

Trichter Wilster
Trichter in Wilster


Im Jahre 1788 ließ sich der Kanzleirat und reiche Bankier Michaelsen auf einem großen Gelände gegenüber der Wilsteraner Kirche einen außerordentlich prunkvollen Bau im klassizistischen Stil mit einem spätbarocken Portal und einem Kupferdach errichten. Zu dem Gebäude gehörte ein großer gleichmäßiger Garten mit einem Gartenhaus. Die Familien Doos und Michaelsen waren mit Georg Sonnin (einem der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit) befreundet, so dass es gut vorstellbar ist, dass Georg Sonnin an der Planung und am Bau mitgewirkt hat. In der damaligen Zeit galt das Bürgerhaus des Kanzleirates Michaelsen als eines der schönen Herrensitze in Schleswig-Holstein. Es bestach durch die beiden Außenfreitreppen, das spätbarocke Portal sowie die Eingangshalle in weißem Marmor mit massiven dorischen Säulen und das imposante Treppenhaus. Ein Teil der Inneneinrichtung stammte wie auch beim Dooschen Palais aus dem abgerissenen Schloss bei Drage.

Im Jahre 1826 wurde das Bürgerhaus von der Stadt Wilster auf Abbruch verkauft, da die Erben keine Verwendung für das Gebäude hatten und auch kein Geld vorhanden war, um das Gebäude zu erhalten. Der wohlhabende Itzehoer Kaufmann Carsten Hinrich Meyer erwarb das Haus und ließ es in Itzehoe in der Reichenstraße wieder aufstellen, wo es nach einer wechselvollen Geschichte unter Denkmalschutz gestellt wurde und auch heute noch zu bewundern ist. Das im Jahre 1777 im Rokokostil erbaute Gartenhaus beherbergte einen großen Keller mit Küche, oben gab es einen Gartensaal, Flur, Treppe und zwei Stuben. Der zierliche Bau war außerdem mit einem kleinen Turm mit Glockenspiel ausgestattet. Dieses Gebäude hat die Jahrhunderte überlebt und wird heute als Gaststätte genutzt.

Quelle: Broschüre 725 Jahre Stadt Wilster aus dem Jahr 2007

Von Birgit Böhnisch auf dem 1. Rathausfest am 05.05.2012

Moin, Moin und Hallo,

ich möchte Sie und Euch entführen in das Jahr 1585, dem Jahr, in dem dieses schöne Rathaus gebaut wurde.

Wie sieht es hier aus?
Im Auarm fließt noch Wasser. Um von hier zum Rathaus zu kommen, müssen wir eine Brücke überqueren.
Die Kirche hinter uns ist nicht die jetzige St. Bartholomäus Kirche, die wird erst in 200 Jahren gebaut. Rund um die Kirche befindet sich der alte Friedhof, um den Friedhof stehen ein paar Häuser. Auch Deichstraße, Schmiedestraße, Klosterhof und Kohlmarkt sind bebaut. Wenn wir den Auarm entlang schauen, sehen wir die Schiffe im Hafen liegen. Ein Burggraben begrenzt das Stadtgebiet, aber eine Burg oder eine weitere Befestigung gibt es nicht.

Nur bei trockener Jahreszeit ist Wilster über Straßen erreichbar, aber es regnet oft, das Wetter ist im Norden nicht immer das Beste. Die Marsch ist sehr feucht, erst mit der Einführung der Schöpfmühlen Ende des 18. Jahrhunderts wird die Marsch effektiver entwässert. Aber wir haben die Au und den Hafen. Wilster ist eine aufblühende Stadt, 1.500 Einwohner, 26 Schiffe, eine große Flotte, größer als alle anderen in Steinburg. Wilster führt Handel mit Hamburg, Flandern und den Niederlanden, ja sogar mit Italien, Spanien und Portugal.

Die Stadt beschließt, ein neues Rathaus zu bauen, das 1. Rathaus steht auf dieser Seite, ist aber zu klein und einsturzgefährdet. Heinrich Rantzau, Schlossherr auf Breitenburg, hat der Stadt mehrere Tausend Taler geliehen. Die werden erst in den nächsten 153 Jahren getilgt. Über Zinsen ist nichts bekannt. Solch langfristige Darlehen gibt es heute nicht mehr. Der Baumeister vom Rathaus ist nicht bekannt, es gibt auch keine Akten über Handwerker, die mitgearbeitet haben. Aber es gibt viele Handwerker in Wilster: Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Schmiede, Schlosser, Glasmacher, Maler. Einige auch auf Wanderschaft, sie tragen ihre Kluft, so wie heute Otto Andresen, schaut Euch an, wie so eine Kluft aussieht.

Es werden hochwertige Hölzer verbaut, nicht nur billiges Holz aus den umliegenden Dörfern. Die Handwerker leisten Tolles. Es gibt ja keine Maschinen, alles Handarbeit, die Länge der Bauzeit ist mir nicht bekannt.  Aber am Ende steht dieser schöne Renaissancebau, der Stolz der Stadt.
Auf der linken Seite gibt es noch ein Nebengebäude, davon gibt es noch Bilder. Vor dem Rathaus der Marktplatz - dort hinter der Brücke - findet Handel statt, die Ratswaage steht im Rathaus, hier wird das Gewicht der zu verzollenden Waren festgestellt. Nicht jede Stadt darf das.

Spielleute singen und tanzen, Schauspielern, Gaukler zeigen ihre Künste. Die Spielleute bringen aber auch Informationen aus anderen Gegenden in die Stadt. Es wird viel getrascht und geklatscht. Es gibt Stände mit Essen, hauptsächlich Brot oder Brei aus Getreideprodukten. Fleisch konnten sich nur Reiche leisten. 
Zu Trinken gibt es Wasser, Bier und Wein.

Die Kinder spielen mit Murmeln, Reifen, Steckenpferden aus Holz, Bällen aus Schweineblasen. 
Auch die Erwachsenen spielen gern: Würfelspiele, Kartenspiele, Brettspiele, Schach - vielleicht auch im Rathaus, so wie jetzt.
Schach ein uraltes Spiel, anfangs in China, Indien bekannt. 1050 im europäischen Raum aufgetaucht, unterschiedliche Regeln, im 15. Jahrhundert ändern sich die Regeln entscheidend und sind von da an ähnlich wie heute. Übrigens findet 1575 das erste internationale Schachturnier der Geschichte statt, am spanischen Hof. Der bis dahin beste Spieler Ruy Lopez de Segura spielt gegen den Sizilianer Giovanni Leonardo da Cutro; da Cutro gewinnt und schlägt auch die weiteren europäischen Spieler.

Aber es ist gibt nicht nur Schönes im Jahr 1585.
Die meisten Leute arbeiten schwer, die Freizeit ist knapp bemessen. Es wird von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gearbeitet.

Aus dem Jahr 1587 ist der Text der Bursprake erhalten. Eine Bursprake ist eine Sammlung von ordnungspolitischen Vorschriften und Anweisungen des Rates der Stadt. 23 Einzelpunkte hat die Bursprake von 1587, damit ist alles Wichtige geregelt. Die heutigen Gesetze sind vielfältiger und etwas komplizierter, ob aber immer sinnvoller?  Der Bürgermeister steht da oben am Rathausfenster und liest die Bursprake vor. Die Gemeinde steht vor dem Rathaus, nur so erfahren sie, was vorgeschrieben ist, lesen können sie nicht.

Keiner darf von Frauen und Jungfrauen übel sprechen, kein geladenes Feuerrohr bei sich tragen. Schlägereien und Gewalt werden mit hohen Strafen bedroht, die Aufnahme von Fremden ist verboten. Schweine dürfen nicht unberingt auf der Straße laufen und schon gar nicht auf dem Kirchhof, die Au darf nicht verunreinigt werden, und so weiter...

Der Bürgermeister und die Ratsherren sind Gesetzgeber, Richter und zuständig für die Verwaltung, eine Gewaltenteilung gibt es nicht. Sie haben für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Die Bürgerliche Ehre ist wichtig, nur wer eine unverletzte und unbefleckte Ehre hat, kann zu Recht Mitglied „ehrlicher" Gemeinschaften sein. Die Ehre ist ein empfindliches Gut.

Aber in der Stadt wird ständig geschimpft. Es werden immer wieder Leute beleidigt. Schmähworte wie schiefhackiger Lumpenhund, glasäugige Allermannshure, diebische Schladdersöge (Sau) werden gerufen. Das Götzzitat wird durch Hochheben des Rockes unterstrichen. Es werden einen Krankheiten an den Hals geflucht.
Ehrverletzungen werden in komplizierten Gerichtsverfahren abgewährt. Im Rathaus gibt es zwei- bis dreimal die Woche Gerichtstage. Kann die Beschimpfung durch Zeugen bewiesen werden, wird der Beklagte zu einem Bußgeld verdonnert. Kann es nicht bewiesen werden muss der Kläger ein Bußgeld zahlen. Die Stadt kassiert immer. Merkwürdigerweise werden Ratsherren seltener verurteilt als zum Beispiel arme Witwen. 

Handwerker müssen sich besonders gut verhalten. Brief und Sigel müssen bestätigen, das sie ehrlich und ehelich geboren sind. Sonst werden sie nicht ins Handwerk aufgenommen und dürfen nicht arbeiten. Außerdem gibt es Ehrliche und unehrliche Berufe. Ehrliche Berufe sind Schiffer, Kaufleute, Goldschmiede, Bildschnitzer, Steinmetzen, Buchbinder, Bäcker, Bierbrauer, Bader und Babiere. Unehrliche Berufe sind Abdecker und Henker, aber auch Müller und Leineweber.

In Wilster haben die Stadtdiener besonders unter diesem Ruf zu leiden, weil sie rückständige Steuern eintreiben und Verbrecher in Haft nehmen, dies trägt den Makel der nehrenhaftigkeit. Jeglicher Kontakt mit Ihnen, aber auch ihren Frauen und Kindern, wird gemieden. Noch nicht mal zu Grabe zu tragen will man sie, kein ehrliches Begräbnis, sie werden bei Nacht und Nebel verscharrt.

Erst Mitte des 18 Jahrhunderts wird die Unterscheidung zwischen ehrlichen und unehrlichen Berufen durch eine Städtische Verordnung beendet. Aber es gibt neben den Ehrverletzungen auch Körperverletzungen durch Schlagen und Raufen, bis hin zum Totschlag. Übeltäter müssen an Leib und Leben bestraft werden, in der Gerichtstube im Rathaus finden lange Verhöre der Zeugen statt, es gibt peinliche Verhöre, mit fürchterlichen Torturen im Rathauskeller. Hier auf dem Marktplatz werden Schandstrafen und Hinrichtungen durchgeführt.

Und es gibt Hexenprozesse.
Im Sommer 1622 trifft es Sile Lakemann, die Frau eines Krügers (Gastwirt), sie kennt sich gut in Tierkrankheiten aus.
Jürgen Heitmann bezichtigt sie der Hexerei. Das Bürgergericht verurteilt sie zur Wasserprobe. Sie ist vermutlich ertrunken. Das heißt, sie ist nicht schuldig. Hilft ihr aber nicht. Tod ist Tod. 1676 ereignen sich seltsame Dinge in der Stadt. Rätselhafte Krankheiten und Sterbefälle, Liebesunfähigkeit bei Männern und Diebstähle erregen die BürgerIinnen und Bürger.

Zeugen bemerken, dass Trine Evers, die Frau des Totengräbers, zaubern kann. An Fastnacht hat sie eine Kuh verhext, sie ist an einer unnatürlichen Krankheit gestorben. Eine schwarze Katze ist aus dem Haus Evers gekommen und hat Unglück gebracht.
Trine Evers ist 43 Jahre alt kommt aus ärmlichen Verhältnissen, ihr erster Mann war Soldat und ist im 30jährigen Krieg umgekommen. Da sie und ihre Kinder versorgt werden müssen, heiratet sie den Totengräber, obwohl er einen unehrlicher Beruf hat.  So eine Frau ist verdächtig. Sie wird im Rathauskeller unter Anwesenheit von 6 Männern gefoltert und zu Aussagen gezwungen.  

Der Rat fällt folgendes Urteil: Weil Trine Evers Menschen und Vieh Schaden getan und getötet, mit dem Teufel um und zu Bette gegangen, die Zauberkunst anderen gelehrt und wegen anderer zauberischer Sachen anrüchig und verdächtig, ist Trine Evers mit dem Feuer zu verbrennen. Am 15.10.1677 wird Trine Evers unter großer Anteilnahme der Bevölkerung als Hexe auf dem Marktplatz verbrannt. Es ist einer der letzten Hexenprozesse in Schleswig-Holstein.

Begeben wir uns in das Jahr 1829. Eine Wohltäterin unserer Stadt ist von uns gegangen. Etatsrätin Doos, sie hat keine Erben, ihre Kinder sind früh verstorben. Um das Andenken an den Namen zu erhalten, vererbt sie ihr Wohnhaus der Stadt Wilster.
Allerdings unter Auflagen: In dem Haus sollen die Dienstwohnung des Bürgermeisters, der Sitzungssaal und die Kämmerei untergebracht werden. Damit hat Wilster ein neues Rathaus, ebenfalls wunderschön.

Teile der Verwaltung bleiben vorerst im alten Rathaus und das Rathaus wird als Gefängnis genutzt.  

Von 1904 bis 1932 ist Christian Dethlefsen Bürgermeister in Wilster.
Bei seinem Amtsantritt beschränkt sich die Verwaltung auf Polizei, Standesamt, Armen- und Schulwesen. Alles andere ist in privater Hand. Während seiner Amtszeit werden Sparkasse und Krankenhaus kommunalisiert. Das Wasserwerk wird gebaut und mit dem Elektrizitätswerk vereinigt, Gas wird aus Itzehoe bezogen, so entstehen die Städtischen Betriebswerke. Die Erfahrung hat der damaligen Stadtverwaltung gezeigt, dass solche Unternehmen nicht in die private Hand gehören. Merkwürdig, dass das bis heute immer wieder in Frage gestellt wird.

Die Zukunft der Stadt liegt im Verkehr. Die Wilster Au wird nach langen hin und her als Wasserlauf erster Ordnung eingestuft und dadurch durch den Staat unterhalten. Die Kasenorter Schleuse ist dem Einsturz nah und muss ersetzt werden, Die Wasserbehörde möchte eine 5 Meter Deichschleuse bauen, aber Wilster braucht für die Schifffahrt eine Kammerschleuse, Wilster setzt sich durch. Die Haupteisenbahnlinie soll nicht durch Wilster führen, nach langem Streit, Eingaben und Protesten fällt die Entscheidung zu Gunsten der Stadt. Für alle diese Maßnahmen haben der Bürgermeister, die Stadträte und die Bevölkerung gekämpft, hätten sie keinen Erfolg gehabt, wäre das Schicksal von Wilster wohl besiegelt gewesen. Hinzu kommt, dass die beiden großen Lederfabriken abbrennen, Böhme 1903, Falk und Schütt 1907, durch den Wegfall der Arbeitsplätze verliert Wilster 1.200 Einwohner.

Und wie sieht unser Rathaus aus - zum Gerichtsgefängnis erniedrigt, ist es baufällig geworden. Man steht vor der Frage, ob sich eine Renovierung lohnt oder ob es lieber abgerissen werden soll. Die Stadt kann die Räume entbehren, das Rathaus rentiert sich nicht. Die Restaurierung soll 30.000,00 RM kosten, viel Geld für die damalige Zeit. Trotzdem beschließen die Stadtväter, das Wahrzeichen von Wilster zu retten.  

Einen herzlichen Dank an die Weitsicht der damaligen Politiker, sonst stünden wir heute nicht hier. Der Architekt Brandes führt von 1914 bis 1919 die Renovierung durch, die Bauausführung entspricht wieder dem Original von 1585. Am Ende kostet das ganze 60.000,00 RM, die Kosten haben sich verdoppelt, aber so etwas passiert ja heute auch noch. Das ganze geschieht während des 1. Weltkrieges, deshalb wohl die Fertigstellung erst 1919. Im 2. Weltkrieg wird Wilster durch Kriegsbomben schwer beschädigt, unter anderem unsere schöne Kirche.  

Die Wirtschaftskraft ist gleich Null. Es herrscht große Not. Durch den Zustrom von Flüchtlingen hat sich die Einwohnerzahl von 3.929 im Jahr 1939 auf 7.538 im Jahr 1947 erhöht. In unserem Rathaus werden Notunterkünfte für Heimatvertriebene eingerichtet. Ich habe letztens einen alter Herrn mit seinem Sohn getroffen. Sie standen vor dem Rathaus, der alte Herr hat dort mal gewohnt.  

Wilster verändert sich, der Auarm wird zugeschüttet, durch die Erdmassen wird das Rathaus wahrscheinlich nicht mehr richtig belüftet. Deshalb ist wieder eine Renovierung notwendig.

Der Itzehoer Journalist Robert Hirse und der Hilfsaktionsprofi Hans Stellmacher organisieren eine Sammelaktion. Der damalige Bürgermeister Helmut Jacobs hat seine legendären Auftritte als Leihorgelspieler. Es kommen 27.650 DM zusammen. Leider werden bei der Renovierung, elementare Fehler gemacht, Frau Scheer wird darüber berichten.

Soviel zur Geschichte unseres wunderbaren Rathauses.

Schaut es Euch an, unten spielen die Schachspieler. Die oberen Räume sind leider noch nicht geöffnet. Dafür aber der Speicher, er diente dem Rathaus zur Aufbewahrung von Waren. Heute befindet sich dort das Naturkundliches Museum. Das dargestellte Marschenbiotop gibt Überblick über die heimische Tier- und Pflanzenwelt, geht mal rein.

Ich wünsche Euch noch viel Spaß bei der heutigen Feier. Die Künstler und die vielen Helfer arbeiten alle ehrenamtlich. Die Einnahmen kommen dem Rathaus zugute und falls es Euch nicht gelingt, Euer Geld hier auszugeben, es stehen auch noch einige Spendendosen herum.

 Birgit Böhnisch