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Prädatoren und allerlei Getier mitten in Wilster
Von Serafine Christine Kratzke (Text und Fotos)
Prädatoren und allerlei Getier mitten in Wilster
Von Serafine Christine Kratzke (Text und Fotos)
Vor historischer Sanierung werden Vorarbeiten erledigt

Ines Güstrau
Wilster
Im Bürgermeistergarten wird gerade fleißig gearbeitet. Die Mitarbeiter des Bauhofes in Wilster sind dabei, die ersten Buchsbaumpflanzen herauszureißen. Diese sind alle, wie in zahlreichen anderen Gärten in der Wilstermarsch, dem berüchtigten Buchsbaumzünsler zum Opfer gefallen und kahl gefressen. Von dieser eigentlich immergrünen Heckenpflanze gibt es reichlich im Bürgermeistergarten.
„In dieser Woche werden wir aber nur die Buchsbäume an den Rondellen entfernen“, berichtete Torben Holm. Noch im Februar fanden bereits einige Baumfällarbeiten im kleinen Wald des Gartens statt. Weiterhin wird der lange Weg, der sogenannte Tunnel, freigeschnitten, damit ein freier Blick auf das Neue Rathaus gewährleistet ist. Schredderarbeiten und Beetbereinigungen stehen ebenfalls auf dem Plan.
„Wenn wir mit diesen Arbeiten fertig sind, werden wir uns erst einmal um die Frühlingsbepflanzung in Wilster kümmern. Damit die Stadt wieder schön aussieht“, erzählte Stefan Wilke. Eine schöne Abwechslung im Vergleich zu den vielen Schneeräumarbeiten, die im Januar und Februar für die Bauhofmitarbeiter angefallen waren. Irgendwann werden dann auch die zahlreichen anderen „toten Buchsbaumhecken“ herausgerissen. Dazu gibt es aber noch keinen genauen Zeitplan. Und welche Neubepflanzungen sind dann geplant? Darüber können die Bauhofmitarbeiter nichts sagen. „Dafür sind wir gar nicht zuständig“, erklärte Torben Holm. Denn diese werden im Rahmen der anstehenden historischen Umgestaltung des Bürgermeistergartens ausgeschrieben und geplant. Der Bauhof werde sich dann lediglich um die anfallenden Vorarbeiten kümmern.
Spuren führen ins 16. Jahrhundert: Wilsteraner Historiker hoffen auf Hinweise zur Herkunft und zum Künstler des Bildes

Ilke Rosenburg
Wilster
Das großflächige, dunkle Gemälde mit Lichteffekt auf vermutlich einen Heiligen zieht die Blicke beim Betreten der Halle des Alten Rathauses in Wilster unwillkürlich auf sich. „Mir wurde erzählt, dass Heinrich Rantzau dieses Gemälde der Stadt Wilster zur Einweihung des Alten Rathauses geschenkt hat“, sagt Holger Stamm. Der Vorsitzende des Vereins Historische Rathäuser in Wilster möchte gerne herausfinden, ob das stimmen kann und welcher Künstler das Bild einst gemalt hat. „Vielleicht kennt sich ja ein Leser aus und kann uns Hinweise geben“, hofft er.

Denn seine Recherchen hätten bislang keine stichhaltigen Erkenntnisse gebracht. „Im Stadtarchiv ist dazu konkret kein Dokument zu finden“, erzählt er. Überliefert sei aber, dass Heinrich Rantzau die Wilsteraner Bürger beim Bau des Alten Rathauses im 16. Jahrhundert mit 1000 Talern als Darlehen unterstützt haben soll. Er war ein bedeutender Statthalter des dänischen Königs in Schleswig-Holstein im 16. Jahrhundert und sehr vermögend. In Aufzeichnungen zu finden sei nämlich, dass Wilster erst etwa 200 Jahre später diese Finanzhilfe vollständig zurückgezahlt habe.
Ausstellung zum 500. Geburtstag
Näher mit Rantzau und seiner Beziehung zu Wilster beschäftigt hat sich Stamm aufgrund einer Anfrage aus dem Itzehoer Kreismuseum. Heinrich Rantzau hätte nämlich am 11. März dieses Jahres 500. Geburtstag. Dazu sei in der Kreisstadt eine Ausstellung geplant. „Wir sind gefragt worden, ob wir etwas über ihn und die Familie Rantzau hätten, das man ausstellen könnte.“ Im Archiv zu finden gewesen seien Noten eines Musikstücks. Die hatte die Familie Rantzau dem Wilsteraner Kanzleirat Johann Hinrich Doos im 18. Jahrhundert überlassen. Eine Kopie davon sei über das Archiv – mit entsprechender Quittung – an das Museum für die Ausstellung entliehen worden.
Da kam Stamm auch die Überlieferung in den Sinn, dass Heinrich Rantzau 1585 der Stadt für das damals neu gebaute Rathaus besagtes Gemälde geschenkt haben soll. Aber da das nicht definitiv belegbar sei, werde man mit der Bilderleihgabe eher nicht dienen können. Es sei denn, dass sich dies irgendwie noch belegen ließe. „Die Frage bleibt ja, ob es tatsächlich der Zeit Heinrich Rantzaus zuzuordnen ist“, so Stamm.
Er habe ein Foto des Bildes an den Leiter des Wenzel-Hablik-Museums in Itzehoe, Kunsthistoriker Axel Feuß, gesendet. Stamm hatte gehört, dass es vom Stil her Rembrandt oder einem seiner Schüler durchaus zuzuordnen sein könnte. Das habe Feuß definitiv verneint. „Er tippt auf einen dänischen Künstler“, so Stamm. Ein Hinweis dafür: Die Heiligenfigur zeige viel Fleisch und sei um den Bauch herum zu füllig gemalt. Mehr sei aber allein von einem Foto nicht ablesbar.
Laut KI könnte es Johannes der Täufer sein
Dagegen spräche allerdings auch die Zeit. Würden die Wilsteraner Gerüchte stimmen, könnte es sich nicht um ein Geschenk Heinrich Rantzaus aus dem Jahr 1585 handeln. Rembrandt lebte und wirkte im 17. Jahrhundert. Stellt man das Gemälde-Foto in die Suchmaschine, erscheinen tatsächlich Hinweise darauf, dass das Gemälde im 16. Jahrhundert entstanden sein könnte.
Laut KI könnte es Johannes den Täufer zeigen und damit Jacopo da Ponte (circa 1515–1592), auch bekannt unter dem Namen Jacopo Bassano, oder einem seiner Schüler zuzuordnen sein. Bassano wirkte in Italien, wurde aber bekannt durch seinen Stil, auf dunklem Hintergrund die Figur leuchtend in den Mittelpunkt zu rücken. Ob da die KI mit ihrer Deutung richtig liegt? Holger Stamm schmunzelt. Er würde auch gerne Licht ins Dunkel bringen und ist gespannt, ob da jemand kenntnisreich weiterhelfen kann.
Zu erreichen ist der Vorsitzende unter E-Mail: